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Eröffnungsrede zur Ausstellung
BEWEGUNG von Petra Nies ... anlässlich
der Vernissage am 31.12.2011 ...
Fangen wir den Silvestermorgen mit
guten Vorsätzen an ... einer dieser guten
Vorsätze zum neuen Jahr lautet oft: „Man
sollte sich mal wieder mehr bewegen“.
Wie viele Menschen werden sich das heute
Abend oder auch morgen noch für das neue
Jahr vornehmen. Bei Bewegung fällt uns
natürlich sofort der Sport ein. Bewegung
ist ... gehen, laufen, rennen, Fußball
spielen, klettern, Rad fahren, schwimmen,
spazieren gehen, segeln, surfen ... Was
entgegnet Ihnen die andere Fraktion der
Bewegungsmuffel oder Couch Potatoes: der
ist ja immer in Bewegung „kann der nicht
mal still sitzen?
Der macht mich ganz nervös“.
Überspitzt heißt es dann: „Sport
ist Mord“. Carl Amery sagte dazu: „Am
besten hält man sich fit durch ein
Minimum an Bewegung“. Ein deutsches
Sprichwort kennen Sie nur allzu gut: „Nach
dem Essen sollst du ruhn oder tausend
Schritte tun“. Hier sind in einem Satz
die beiden Gegenpole „Ruhe und Bewegung“
genannt. Sicher fallen Ihnen im Laufe des
Silvesters
noch viele andere Sprüche
ein.
Bewegung ist allgegenwärtig, auch in
unserem Sprachgebrauch.
Nach dem das Fußballspiel in der
ersten Halbzeit eher langweilig war,
gewann es in der zweiten an Bewegung.
Obwohl wird nun beim Sport sind, geht es
hier komischerweise nicht um Bewegung,
sondern ... um Dynamik. Apropos Fußball
... selber spielen oder auf der Couch
sitzen und der Lieblingsmannschaft
zusehen? oder besser: wenn die einzige
Bewegung darin besteht, sich zwischen
Kühlschrank und Couch hin und her zu
bewegen. NOCH besser ist allerdings, bei
gleicher Haltung dem Sportler auf dem
Bildschirm zuzurufen ... schneller.
Ganze Sportmediziner beschäftigen sich
mit dem richtigen Bewegungsapparat. Wenn
Sie sich also jetzt schon entschieden
haben, sich mehr zu bewegen ... dann bitte
richtig. Nur keine falsche Bewegung
machen.
Dabei können sich auf vielerlei Art
und Weise bewegen: elegant, fahrig,
geschmeidig, heftig, hektisch, ruhig,
gleichförmig, geradlinig.
Sylt steht für Bewegung. Spaziergänge
am Strand, Baden im Sommer, Schwimmen im
Meer. Surfen ... ob Wellenreiten,
Windsurfen, Kitesurfen, Segeln, Reiten,
Walken, Laufen, Radfahren. Große
sportliche Events stehen hier alljährlich
auf dem Programm: das Strand-Polo in
Hörnum, das Poloturnier in Keitum, der
Worldsurf-Cup oder der Windsurf Cup in
Westerland, um nur einige zu nennen.
Doch: Müssen wir uns bewegen, um von A
nach B zu kommen? Denken Sie an all die
Fortbewegungsmittel wie Flugzeug, Auto,
Motorrad ... Bus, Bahn, Schiff, Fähre.
Nie sind wir weiter gereist als in diesem
und im letzten Jahrhundert. Aber haben wir
uns deshalb mehr bewegt, nein das
Gegenteil ist wohl der Fall. Die Bewegung
hat sich mit zunehmender Zivilisierung
immer weiter reduziert.
Denken Sie weiter an Marco Polo, den
Wettlauf von Amundsen und Scott zum
Südpol. Christoph Kolumbus oder Alexander
von Humboldt. Reinhold Messner, der alle
8000er bezwang. Und doch ist keiner so
weit gekommen wie Neil Armstrong, dem
ersten Mann auf dem Mond. Und der ist in
seinem Astronautenanzug mehr geschwebt in
der Apollo 11. Sie kennen seine berühmten
Worte: „Das ist ein kleiner Schritt für
den Menschen… ein riesiger Sprung für
die Menschheit.“
Goethe zeigt uns in seinem Buch „Die
italienische Reise“ wie er noch mit der
Postkutsche über den Brenner fuhr. Nicht
wenige laufen den Jakobsweg Jahr für Jahr
und suchen bewusst einmal andere
Erfahrungen.
Eine Mutter befragt, was ihr zu „Bewegung
von ihren Kindern“ einfällt sagte mir:
klar, montags Tennis, dienstags Taekwondo
und mittwochs Fußball und überfall fahre
ich sie hin. Und sie beschrieb, was in
ihrem Haushalt so alles herumsteht.
Roller, Skatebord, Fahrräder in
verschiedenen Größen, Kettcar ... um nur
einiges zu nennen. Doch die Gelenkigkeit
und Beweglichkeit von Kindern ist nicht zu
toppen.
Was machen Sie mit einer guten alten
Taschenuhr, wenn sich die Zahnräder nicht
mehr bewegen? Die Uhr hört auf zu
schlagen, die Zeit scheint stillzustehen.
Oder ein Mühlrad am Fluss, was sich nicht
mehr dreht. Das Korn wird nicht mehr
gemahlen. An diesen beiden nicht mehr
alltäglichen Dingen können Sie sehen,
wie Bewegung auch verschwindet.
Dabei habe ich mir überlegt, was sich
in meinem Haushalt eigentlich noch bewegt.
Ich kam noch auf die Waschmaschine, den
Mixer und fließendes Wasser. In manchen
Haushalten vielleicht noch der Drehteller
der Mikrowelle. Der Plattenteller dreht
sich schon lange nicht mehr. Die Kassette
müssen wir auch nicht mehr mit dem
Bleistift aufwickeln, wenn sie mal wieder
hakt. Und trotzdem steht Ihnen heute mehr
Musik zur Verfügung als jemals zuvor.
Auch diese Reihe können Sie beliebig
fortsetzen mit den Diakästen, die noch in
Vorführgeräte eingeschoben werden
mussten usw. usw.
In die Motorhaube Ihres Autos müssen
Sie auch nicht mehr blicken, wenn das Auto
gerade nicht anspringen will, denn einen
Keilriemen suchen Sie hier vergeblich.
Heute brauchen Sie nur noch die Nummer vom
ADAC, der es dann in die Werkstatt bewegt
und nachdem der Mechaniker Ihr Auto an den
Computer angeschlossen hat, sagt er Ihnen,
dass es die Schaltung ist.
Die Natur gibt uns natürlich Bewegung
vor. Wie herrlich ist es auf das Meer zu
blicken und den Wellen zuzusehen, Wolken
die dahin ziehen und uns oft einen
malerischen Himmel präsentieren.
Dünengras, das sich sanft im Wind bewegt,
Möwen, die elegant dahin gleiten,
Zugvögel auf ihrem Weg in die
Winterquartiere. Der Sand, der vom Wind
weggeweht wird. Tanzende Blätter im
Herbst, Schneeflocken, die langsam auf die
Erde hernieder fallen.
Doch wir erleben die Natur auch anders.
Gerade in diesem Jahr ist es wieder
mächtig stürmisch. Aufgepeitschtes Meer,
riesige Wellen, die an die Dünen reichen.
Die Hörnum-Odde kann ein Lied davon
singen. Wie viel Sand hat sich wegbewegt.
Vor der Kurmuschel ist es schon ganz
schön schmal. Die Gegenbewegung heißt
Sandvorspülung. Auf Sylt erleben wir
tagtäglich das Spiel der Gezeiten, Ebbe
und Flut. Was für ein Naturschauspiel,
sich oben an die Ellbogenspitze zu setzen
und einmal das einlaufende Wasser zu
beobachten. Wie viel Wasser da alle 12 ½
Stunden bewegt wird ist fast
unvorstellbar. Und dabei wird es vom Mond
bewegt und der ist soweit weg.
Auch eine Idee kann Auslöser von
Bewegung sein. Denken Sie an die:
Arbeiterbewegung, Frauenbewegung,
Friedensbewegung, Gewerkschaftsbewegung,
oder die Studentenbewegung, um mal einige
exemplarisch zu nennen.
Wie viele Steine werden auf Sylt Jahr
für Jahr bewegt. Da wünscht sich ein
mancher, dass das Tempo wieder
herausgenommen wird. Denn im Sommer haben
wir wieder erlebt, wie es ist, von List
nach Westerland zu fahren. Von der
Vogelkoje bis zum Westerländer Bahnhof
ein einziger Stau. Zuviel Bewegung kann
eben auch Stillstand sein.
Die vielen Pendler vom Festland, die
sich dieses Jahr nur noch im 2-
Stunden-Takt auf die Insel bewegt haben
und vieles auf Sylt zum Erliegen gebracht
haben.
Bewegung kommt aber auch ganz oft im
übertragenen Sinne vor: „Es kommt
Bewegung ins Spiel“ oder „Es bewegt
sich was“. Sie alle kennen sicher den
Domino-Day. Es genügt manchmal ein
kleiner Anstoß, um eine große Bewegung
auszulösen. Ich durfte das einmal
erleben, diesen Domino-Day. Es ist
unbeschreiblich, was sich durch
Dominosteine alles bewegen lässt.
Um früher einen Plausch mit Nachbarn
oder Verwandten zu halten, haben wir uns
angezogen und sind zum Kaffeetrinken oder
auf ein Glas Wein gegangen. Auch hier hat
der Couch Potatoe Einzug gehalten. Heute
ersetzen wir das Zweiergespräch durch ein
Telefonat oder den beweglichen Daumen am
iPhone, um unsere sozialen Kontakte via
What’s App zu regeln. Das Handy liegt
stets griffbereit auf der Couch bereit und
dient neben der Fernbedienung als weitere
Schaltzentrale. Unser Radius schränkt
sich dadurch zunehmend ein, von der
Bewegung ganz zu schweigen.
Sie kennen das viel zitierte
Beamtenmikado „Wer sich zuerst bewegt,
hat verloren“. Dem diametral
entgegengesetzt steht: wer sich nicht
bewegt, wird bewegt“ oder noch
spannender „Wer sich nicht bewegt, hat
schon verloren“. Der letzte Spruch ist
ein Buchtitel der früheren
Sozialministerin Regine Hildebrandt aus
Brandenburg. Auch man selbst kann bewegt
sein. Man kann ergriffen sein. Durch eine
besondere Atmosphäre, durch Gespräche,
Ereignisse. Es können Gedanken sein, die
einen bewegen. Ein Maler bewegt vieles im
Geist, um eine Idee für ein Bild zu
formulieren und es dann auf der Leinwand
umzusetzen.
Die Liebe kann einen bewegen. Gerade
verliere ich einen meiner besten
Mitarbeiter, weil er sich in eine junge
Dame aus Wiesbaden verliebt hat und nun am
Montag in Frankfurt anfängt. Auch
Karrieregründe hätten ihn zu diesem
Schritt bewegen können.
Sie sehen, das Thema ist
unerschöpflich ... lassen Sie uns gleich
im Gespräch weiter darüber
philosophieren.
Auch wir Sylter Kunstfreunde haben im
diesem Jahr einiges bewegt. So sind wir
seit April dieses Jahres Mitglied in der
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine
e.V. in Berlin. Seit August haben wir
Kunstfreunde einen facebook-account. Sie
erlebten die erste Ausstellung des „Inselmalers“
mit Karsten Kusch aus Berlin. Und wir
haben in Kooperation mit dem Kunsthaus
Lübeck unseren 1. Kunstkatalog
herausgebracht, den Sie alle zu
Weihnachten als Jahresgabe erhalten haben.
Und auch im nächsten Jahr bewegt sich
was. Noch haben Sie nichts in der
Öffentlichkeit gelesen, doch wir werden
in das Thema „Kunstmuseum auf Sylt“
noch genug Bewegung bringen, denn wir
arbeiten intensiv an einem Konzept einer
„Kunsthalle“ hier in der „Alten Post“
in Westerland. Das Positionspapier steht,
Gespräche und Verhandlungen sind
weitestgehend abgeschlossen und dann
werden wir uns hier positionieren.
Wir werden mit Stefan Ringeling aus
Worpswede das Projekt „Inselmaler“
auch 2012 fortsetzen, der uns seine Sicht
auf Sylt mit „Daily Paintings“ hier im
Juli zeigen wird. Auch zu dieser
Ausstellung wird ein Kunstkatalog
entstehen. Die Sylter Kunstfreunde werden
als Träger künftig die Veranstaltung „Kunst
am Strand“ in Rantum begleiten. Der ISTS
wird dabei der Veranstalter sein. Die
Organisation liegt weiter in den Händen
von Annette Kühl und Christoph
Freier.
Ein weiteres Highlight erwartet sie im
September, dann werden wir in der
Stadtgalerie „Alte Post“ Arbeiten von
Armin Müller-Stahl präsentieren.
Nun zu guter Letzt: Wenn Sie lächeln,
dann bewegen Sie 43 Muskeln. Um ein böses
Gesicht zu ziehen, brauchen Sie 54
Muskeln. Unser Vorschlag für 2012:
lächeln Sie mehr, dann müssen Sie sich
nicht so viel bewegen.
Ihnen allen heute Abend einen guten
Rutsch ins neue Jahr und alles erdenklich
Gute für ein gesundes und zufriedenes und
künstlerisches 2012.
zur Ausstellung
"Bewegung"
Ausstellungsort:
Stadtgalerie „Alte Post“
Stephanstraße 4
25980 Westerland
Die Öffnungszeiten
sind jeweils Montag bis Freitag
von 14.00 - 18.00 Uhr und am Samstag
von 10.00 - 13.00 Uhr.
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