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Inselmaler
Karsten Kusch
Inseltagebuch
2011

Als mich mein
Lübecker Galerist Frank-Thomas
Gaulin anrief und
mir erzählte die Sylter
Kunstfreunde wollten
mich einladen auf
ihrer
Insel zu arbeiten, ein
zeichnender und malender
Dokumentarist/ Chronist
für ein Jahr zu sein,
war ich begeistert.
Neben
meiner Freude über die
Einladung, hatte ich
aber auch einige
Zweifel. Bisher hatte
ich mich eigentlich mit
städtischen
Landschaften beschäftigt:
Verladehöfe, Kräne,
Tankstellen, Baugruben,
Schotterplätze
und der
Fährhafen von Travemünde
waren meine Themen.
Bei
Sylt dachte ich an
reetgedeckte Häuser,
dramatisches Meer,
Tourismus und Dünenlandschaften.
Würde
ich auf Sylt etwas
finden, was mich zu
Bildern und
Zeichnungen anregt?
Gleich
bei meinem ersten
Aufenthalt im November
2010 erkundigte ich bei
schönem Wetter die
Gegend zwischen Keitum
und Morsum mit dem
Fahrrad. Hier weckten
die auf der
schnurgeraden
Horizontlinie hin und
her rollenden Züge mein
erstes Interesse. Gegenüber
der Hektik der Züge
schienen mir die Kühe
im Vordergrund eine
gewisse Gelassenheit
auszustrahlen. Von
dieser Situation
entstand eine erste
Serie von Zeichnungen.
Die Züge sind
Lebensadern der Inseln
und alltägliches Ärgernis
zugleich, da sie, wo die
Schienen die Insel in
zwei Teile teilt, für
die Überquerenden zu
regelmäßige
Wartezeiten führt.
Mit
den Arbeiten von der
Sylter Bahn und dem
Syltshuttle konnte
ich
an
den Aspekt der
Bewegung, der uns bei
fast jedem Blick
auf
Landschaft begegnet und
mich schon in meinen
vorherigen
Arbeiten
beschäftigt hat anknüpfen.
Gleichzeitig eröffnete
mir das Thema einen Weg
zur Landschaft.
So
war ein Anfang gemacht
und es entstanden verstärkt
landschaftliche
Arbeiten.
Ich
zeichnete Dünen, ein
Schiff im Lister Hafen,
die Weite am Anfang
der
Insel mit dem über den
Hindenburgdamm
heranrollenden Zug.
Nach
meinem ersten Besuch im
November 2011 folgten
weitere kürzere
Aufenthalte von drei bis
vier Tagen je nach
zeitlicher Möglichkeit
und
freiem Appartement.
Bei meinen Besuchen
wurde ich jedes Mal von
den Sylter Kunstfreunden
herzlich aufgenommen,
die mich reihum
einluden, mir ihre Insel
zeigten und Hinweise
gaben, wo interessante
Orte auf ihrer Insel zu
finden sind. Während
meiner Aufenthalte
wohnte ich bei Peter
Iden, der mir sein Auto
und sein Fahrrad
für
meine Erkundungstouren
über die Insel zur Verfügung
stellte. Peter
Iden gilt
mein besonderer Dank für
die
tolle Gastfreundschaft in
seinem Haus.
Im
Februar entstanden die
Arbeiten zum Tinnumer
Wiesen. Das Auto dient
mir bei meinen
Erkundungstouren als
Atelier. Bei
sonnigklarer Kälte
fuhr
ich die Straßen am
Tinnumer Feld entlang,
wenn mich ein
Blick
ansprach, hielt ich den
Wagen am Wegesrand an,
um dann Zeichnungen von
der Situation zu machen.

Bei
meinem Besuch im Mai
bekam ich von Petra Nies
den Hinweis die
Buhne
16, einen beliebten
Strandabschnitt bei
Kampen aufzusuchen.
Um
den Touristen
zuvorzukommen, war ich
schon früh am Morgen
unterwegs. Ein rotes
Lebensrettungshäuschen
mit den leeren,
davor
gruppierten Strandkörben
taten es mir hier
besonders an.
Die
Schönheit des Meeres
und des Lichtes am
Sylter Strand ist
beeindruckendmehr aber
als die Dramatik der
Seeseite
zog mich die
Atmosphäre der
Wattseite an.
Schon
im April hatte ich
zwischen Braderup und
Kampen
das Motiv für das Bild
die„Wattseite“
gefunden.
Diesmal
führte mich mein
Ausflug zur nördlichsten
Teil des Inselrückens,
wo eine Zeichnung von
dem Strandlokal
„Lister
Austernperle“
entstand.
Bei
der Betrachtung meiner
Syltbilder, glaube ich,
dass sie
mehr
Leichtigkeit und
Heiterkeit als meine
bisherigen Arbeiten
besitzen. Das Moment der
Weite tritt klarer
hervor.
Karsten Kusch
12.8.2011
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